Vier Pfoten im "schlimmsten Zoo der Welt"

Erneut ist die internationale Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" im Khan Younis Zoo, bekannt als der "schlimmste Zoo der Welt" aktiv. Der Zoobesitzer möchte aufgrund finanzieller Schwierigkeiten mit "Vier Pfoten" zusammen eine Lösung für die übriggebliebenen Tiere finden.

Die internationale Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" hat bereits in der Vergangenheit mehrmals Notfall-Missionen im Gazastreifen durchgeführt (infoticker.ch berichtete), um Tiere vor dem Hungertod zu bewahren. Nun kam abermals ein Hilferuf aus dem Khan Younis Zoo: Nachdem der Zoobesitzer bereits mehrere seiner Tiere verkaufen musste, weil ihm die finanziellen Mittel fehlen, möchte er nun mit Unterstützung von "Vier Pfoten" eine bessere Lösung für seine verbliebenen Tiere finden. Darunter befindet sich Laziz – der letzte Tiger in Gaza sowie ein buntes Sammelsurium anderer Tierarten wie etwa ein Stachelschwein, Schildkröten, Affen und weitere Tiere. Sie alle sind verwahrlost und benötigen dringend medizinische Versorgung. Ein "Vier Pfoten"-Team konnte gestern in Gaza einreisen und wird voraussichtlich bis Ende der Woche vor Ort aktiv sein und die Lage gründlich evaluieren.

Lösungsansätze werden geprüft

Die Tiere brauchen dringend Hilfe, wie Dr. Amir Khalil, Leiter der Notfall-Mission in Gaza, erläutert: "Es muss dringend eine nachhaltigere Lösung für die Tiere gefunden werden. Wir werden die Tiere medizinisch versorgen und auch einen dringend notwendigen Sicherheitscheck bei den Gehegen durchführen – sonst sind im schlimmsten Fall auch noch die Zoobesucher in Gefahr, wenn der Tiger Laziz oder ein anderes Wildtier unerwartet frei herumläuft. Im Anschluss werden wir versuchen, mit allen Beteiligten gemeinsam herauszufinden, welche Lösungsansätze umsetzbar sind." Der Khan Younis Zoo kam bereits vor Monaten zu seinem zweifelhaften Ruf als "schlimmster Zoo der Welt" nachdem bekannt wurde, dass der Besitzer nicht nur Probleme hatte, seine noch lebenden Tiere zu versorgen, sondern auch die verstorbenen mumifiziert in ihren Gehegen ausstellte. "Wir hoffen, dass unsere Gespräche und unsere Evaluierung der Situation hier vor Ort helfen werden, die bestmögliche Lösung für die Tiere zu finden", so Dr. Khalil.

Schwierige finanzielle Lage der Zoobesitzer

"Vier Pfoten" versucht bereits seit Februar eine langfristige Lösung für das Problem zu finden, stiess jedoch auf diverse Schwierigkeiten. Nach einem besonders harten Winter in Gaza waren die Besucher ausgeblieben und die Zoos generierten kaum Einnahmen. In der Folge organisierte "Vier Pfoten" Futterverteilungen, die halfen, die betroffenen Tiere vor dem Hungertod zu bewahren. Mittlerweile hat sich die finanzielle Situation wieder etwas gebessert, dennoch leben die Tiere immer noch unter extrem schlechten Haltungsbedingungen und ohne angemessene medizinische Versorgung.

Abgesehen von logistischen Hürden, die die Missionen vor Ort erschweren, gibt es in Gaza keine gesetzliche Grundlage bezüglich der Privathaltung von Wildtieren. Die internationale Tierschutzorganisation kann daher nur aktiv werden, wenn alle Beteiligten zur Kooperation bereit sind. Bereits seit 2014 ist "Vier Pfoten" in diversen Zoos von Gaza aktiv, um den Tieren vor Ort zu helfen.