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Tierschutz ist Fair Food

(Bildquelle: L214 Éthique & Animaux/STS)

Die Bevölkerung hierzulande legt strenge Massstäbe beim Tierschutz an. Die geschätzt 100 Millionen Tiere, die im Ausland für den Schweizer Markt gemästet, herumtransportiert und geschlachtet werden, spüren davon wenig. Vier Tierschutz- und Agrarexperten aus dem benachbarten Ausland wiesen an einer Medienorientierung des Schweizer Tierschutz STS auf erhebliche Tierschutzdefizite in der EU hin, aus der die Schweiz mit Abstand am meisten Fleisch, Eier und Milchprodukte importiert.

Massentierhaltungen, Käfigbatterien, Langstrecken-Qualtransporte, Tierdoping mit Antibiotika, wenig effiziente Tierschutzkontrollen: Fachleute aus Deutschland, Frankreich und Belgien äusserten sich an der STS-Medienkonferenz in Bern überwiegend kritisch zum Nutztierschutz in der Europäischen Union. Zwar gebe es durchaus bäuerliche und tierfreundliche Erzeuger, deren Produkte von für das Tierwohl sensibilisierten Konsumenten nachgefragt werden, die offizielle Agrarpolitik sei indessen nicht auf Qualität, sondern auf eine am Weltmarkt konkurrenzfähige Billig-Überschussproduktion ausgerichtet.

Unkontrollierte Tierquälerei

Dr. Elena Nalon, Agrarexpertin bei der Eurogroup for Animals in Brüssel sprach von dramatischen Bedingungen für das Leben und Sterben der Tiere als Folge der industriellen Lebensmittelproduktion, von fehlenden Rechtsvorschriften im Nutztierschutz und - dort wo Gesetze bestehen - vom fehlenden Willen Europas diese durchzusetzen. Auch Friedrich Mülln, Tierrechtsaktivist der SOKO Tierschutz aus Augsburg, beklagt Kontroll- und Vollzugsdefizite im Tierschutz, die, so Mülln, "das Geschwür von Tierquälerei und Verbrauchertäuschung ständig weiter wuchern lassen, zulasten von Mensch, Tier und Umwelt." Er sagt: "In Sachen Tierhaltung ist Deutschland eine Bananenrepublik."

Samuel Airaud, Sprecher von "L214 Éthique & Animaux" aus Frankreich, sieht, neben notwendigen Gesetzesanpassungen, den Konsumenten in der Verantwortung sich zu informieren über die Produktionsbedingungen in einer Branche, die Tiere als reine Ware betrachtet und behandelt. Und Martin Häusling, Mitglied des Europaparlaments (Agrarsprecher Grüne / Freie Europäische Allianz) legte am Beispiel des geplanten Abkommens EU-Mercosur die Defizite des weltweiten Lebensmittelhandels offen. Weil Tier-, Umwelt- und Konsumentenschutz meist ausgeklammert würden, litten Qualität und Sicherheit der gehandelten Lebensmittel.

Signal aus der Schweiz

Einhellig propagierten die EU-Fachleute eine Abkehr von der industriellen Billig-Tierproduktion sowie die Verankerung von tier- und umweltschützerischen Rahmenbedingungen beim internationalen Handel mit Lebensmitteln. Und sie setzen dabei grosse Hoffnungen auf die Schweiz, die als bedeutender Importeur von Lebensmitteln europa- und weltweit mit einem klaren Bekenntnis zu fairen, umwelt- und tierfreundlich erzeugten Produkten ein wichtiges Signal setzen könnte.

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