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Täglich zwei bis drei Jugendliche mit Suizidgedanken

Im Jahr 2017 meldeten sich jeden Tag durchschnittlich zwei bis drei Jugendliche mit Suizidgedanken oder Fragen zu diesem Thema bei den professionellen Beraterinnen und Beratern von Beratung + Hilfe 147. Diese sind schweizweit vermehrt mit schweren persönlichen Problemen von Kindern und Jugendlichen konfrontiert. Die Anrufe, SMS, E-Mails oder Chats von Kindern und Jugendlichen zeigen tendenziell, dass Krisen in Zusammenhang mit Stress zunehmen. Es geht in diesen Kontakten oft um Angst, anhaltend depressive Stimmungen, Schlaf- und Essstörungen in Zusammenhang mit Leistungsdruck.

In Notsituationen brauchen Kinder und Jugendliche Menschen, denen sie sich anvertrauen können. Jeden Tag finden rund 350 Kinder und Jugendliche bei den über 70 professionellen Beraterinnern und Beratern von Beratung + Hilfe 147 Unterstützung und Hilfe. Der Anteil der Anfragen zu schwerwiegenden Problemen nimmt dabei weiter zu. Fragen zu persönlichen Krisen, Suizidgedanken und Angst und verwandten Themen machten letztes Jahr 29,1 Prozent aller Anfragen aus. 2009 betrug dieser Anteil erst 10,9 Prozent.

Druck und Überforderung betreffen heute auch junge Menschen und bereits Kinder und Jugendliche leiden zunehmend unter Stress. Deshalb wirkt Pro Juventute seit letztem Jahr mit der landesweiten Kampagne "Weniger Druck. Mehr Kind" auf das Umfeld von Kindern und Jugendlichen, um die Stressbelastung junger Menschen zu reduzieren.

Zwei bis drei Kontakte pro Tag zum Thema Suizid

2011 betrug der Anteil der Beratungen zum Thema Suizid 1,5 Prozent. Im vergangenen Jahr stammten 4,7 Prozent aller Kontakte von Jugendlichen mit Fragen zu diesem Thema oder mit konkreten Suizidgedanken. Das entspricht zwei bis drei Anfragen pro Tag.

Für Kinder und Jugendliche in einer persönlichen Krise ist das direkte Gespräch mit einer Person wichtig. Der Telefonkanal ist für diese schwerwiegenden Probleme, trotz dem Wandel in der Mediennutzung, deshalb unverändert wichtig.

Weniger Anfragen zu Sexualität und Liebe

Der Anteil der Anfragen zu den Themen Sexualität und Liebe nimmt dagegen weiter ab. Sexualität belegt mit 11,8 Prozent aller Kontakte, hinter dem Thema Familie, nur noch den dritten Platz in der Rangliste. In der Themengruppe Sexualität fasst Beratung + Hilfe 147 beispielsweise Anfragen zu Schwangerschaft, Verhütung, sexueller Orientierung oder Sexting zusammen.

Das Bedürfnis nach persönlicher Beratung zu diesen Themen ist weniger gross als früher. Erklären lässt sich das mit dem grossen Informationsangebot im Internet und der weitgehend flächendeckenden Verfügbarkeit von Smartphones und anderen Geräten mit Internetzugang bei Jugendlichen in der Pubertät. Schambesetzte Themen lassen sich so einfacher behandeln.

Weiterentwicklung von Beratung + Hilfe 147

Beratung + Hilfe 147 passt das Angebot dem geänderten Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen an. Die Nutzung der Ratgeber-Inhalte auf der Website 147.ch wächst seit einigen Jahren kontinuierlich an.

Angesichts des Rückgangs des Kontaktanteils zu den Themen Sexualität und Liebe wurde die Website 147.ch letztes Jahr komplett neu konzipiert und überarbeitet. Qualitativ hochstehende und zuverlässige Ratgebertexte, die ausgebaute Erreichbarkeit des Chat-Kanals und der einfache Zugang zu den rund um die Uhr erreichbaren Beratungskanälen Telefon, E-Mail, SMS und Chat stehen im Zentrum der neuen Website.

Start eines Peer-Chats

Ein wichtiger Faktor auf dem Weg hin zu einer Beratung, welche noch niederschwelliger den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen Rechnung trägt, sind die Jugendlichen selbst. Mit dem Prinzip des Peer-Involvement - dem Einbezug von Jugendlichen - entwickelt Pro Juventute das Beratungsangebot weiter und wendet dieses Prinzip auch in der Beratung selbst an.

Ab dem 9. April bieten die ersten fünf Peer-Beraterinnen und -Berater vorerst jeden Montagabend Gleichaltrigen Unterstützung über einen Chat-Kanal an. Sie werden dabei von einem erfahrenen Peer-Coach begleitet. Diese ausgebildete Fachperson gibt Tipps, macht auf Gefahren aufmerksam, kann von den Jugendlichen zur Unterstützung beigezogen werden, im Notfall direkt in einen Chatverlauf eingreifen oder eine Krisenintervention auslösen.

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 17 bis 24 Jahren bringen ganz unterschiedliche Erfahrungen mit. Gemeinsam ist ihnen ein überdurchschnittliches Engagement, der Wille, anderen Jugendlichen zu helfen und sich immer wieder mit schwierigen Situationen auseinanderzusetzen.

Der Peer-Chat ist über die Homepage www.147.ch zugänglich. Die Peer-Beraterinnen und -Berater stellen sich dort mit einem Avatar und einer kurzen, anonymisierten Vita vor. Die Ratsuchenden können je nach Thema und persönlicher Vorliebe wählen, von wem sie sich beraten lassen möchten. Der Betrieb erfolgt von Bern aus und beschränkt sich für die erste Zeit auf die Deutschschweiz. Ein Ausbau der Kapazitäten und eine Ausweitung auf die französische und italienische Schweiz ist geplant.

Beratung + Hilfe 147 in der Westschweiz

Seit dem 1. Januar 2018 wird Beratung + Hilfe 147 auch in der französischen Schweiz direkt von der Stiftung Pro Juventute geführt. 18 Beraterinnen und Berater, welche alle eine Ausbildung in den Bereichen Psychologie, Sozialarbeit oder Erziehung vorweisen können, haben rund um die Uhr ein offenes Ohr für die Probleme und Sorgen von Kindern und Jugendlichen in der Romandie.

Das Angebot von Beratung + Hilfe 147 in der französischen Schweiz wird laufend ausgebaut. Der bisher nur in der deutschen Schweiz angebotene Chat wird zeitnah auch für Kinder und Jugendliche in der Westschweiz zugänglich sein.

Hoher Spendenbedarf

Die Pro Juventute Beratung + Hilfe 147 finanziert sich hauptsächlich aus Spenden aus der Bevölkerung und der Unterstützung durch Wirtschaft und Politik.

Private Spenderinnen und Spender und Unternehmen wie die Migros, die während der Adventszeit Spenden von Kundinnen und Kunden sammelte, oder Stiftungen wie die Eurosanto Stiftung, die vergangenen Dezember die Zuwendungen von privaten Spenderinnen und Spendern verdoppelt hatte, leisten damit einen wesentlichen Beitrag, Kindern und Jugendlichen diese wichtige Anlaufstelle auch in Zukunft rund um die Uhr und in drei Landessprachen anbieten zu können.

Artikelfoto: bngdesigns (CC0 Creative Commons) - (Symbolbild)

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