Wildtierfreundliches Schneesportvergnügen

29.12.2017 09:37 | Von: bag

Sportliche Aktivitäten in der freien Natur sind auch im Winter immer beliebter. Für Wildtiere hat diese Entwicklung allerdings oft weitreichende Folgen. Mit der Kampagne "Respektiere deine Grenzen" sensibilisiert eine breite Koalition aus Sport- und Naturschutzverbänden seit acht Jahren Schneesportlerinnen und -sportler abseits der Pisten dafür, sich wildtierverträglich zu verhalten.


Immer mehr Schneesportlerinnen und Schneesportler bewegen sich in unberührten Winterlandschaften. Allein im Zeitraum von 2008 bis 2014 hat sich beispielsweise die Zahl der Schneeschuhläufer verdoppelt. Seit 2000 hat die Zahl aller Schneesportler abseits der Pisten (Ski, Snowboard- und Schneeschuhtouren) um fast 240 Prozent zugenommen, in absoluten Zahlen von rund 70'000 auf zirka 250'000 Sportler (Lamprecht et al. 2008, 2015). 

Es wird davon ausgegangen, dass diese Entwicklung für Wildtiere wie das Birkhuhn oder die Gämse eine Gefährdung darstellen kann: Tiefe Temperaturen und ein karges Nahrungsangebot zwingen die Tiere zum Energiesparen. Flüchten im tiefen Schnee kostet besonders viel Energie und kann zu einer Schwächung oder im Extremfall zum Tod durch Erschöpfung führen.

Kampagne läuft seit Winter 2009/2010

Die Kampagne "Respektiere deine Grenzen - Schneesport mit Rücksicht" hat zum Ziel, Schneesportlerinnen und Schneesportler für die Bedürfnisse der Wildtiere zu sensibilisieren. Zentrale Botschaft der Kampagne sind vier einfache Verhaltensregeln, die es zu beachten gilt. Lanciert worden ist die Kampagne im Winter 2009/10 durch den Schweizer Alpen-Club SAC und das Bundesamt für Umwelt BAFU. Seit Herbst 2016 wird die Kampagne vom Verein "Natur & Freizeit" weitergeführt.

Beispielhafte Kooperation

Die Kampagnenverantwortlichen sensibilisieren Schneesporttreibende mit verschiedensten Mitteln wie Leporello, Hangtags, Hangneigungsmessern oder Videoclips, auf denen die zentralen Botschaften der Kampagne kommuniziert werden. "Seit 2010 haben die Kampagnenverantwortlichen rund 840'000 Leporello (Flyer), mehr als 5'000 Plakate und rund 140'000 Hangtags (als Beilage bei Schneeschuhen im Laden) an Skitourenfahrerinnen, Schneeschuhläufer und Freerider abgegeben", freut sich Geschäftsleiter Reto Solèr, der die Kampagne seit Anfang an betreut.

Neben der Multiplikation über die Mitgliedorganisationen des Vereins "Natur & Freizeit", ist die Kampagne erfolgreich, weil sie auf die Zusammenarbeit mit der Outdoor- und Tourismusbranche setzt. "So werden auch diejenigen Schneesporttreibenden erreicht, die nicht in Verbänden organisiert sind", erklärt Solèr.

260 Unternehmen aus der Tourismus- und Outdoorbranche haben sich zur Kommunikation der vier Verhaltensregeln und zur Umsetzung von Sensibilisierungsmassnahmen verpflichtet. Beispielsweise werden für das Verkaufspersonal im Outdoor-Handel und für Tourenanbietende Schulungen angeboten, damit sie ihre Kunden über einen rücksichtsvollen Schneesport informieren können.

Resultate der Evaluation

Eine gemeinsame Trägerschaft der verschiedenen Verbände mit der öffentlichen Hand und der Outdoor- und Tourismus-Branche ist für die Schweiz in dieser Breite einmalig. Die repräsentative Umfrage im April 2016 und die spezifische Evaluation der Zielgruppe "Freerider" hat aufgezeigt, dass das Problembewusstsein unter den Schneesporttreibenden abseits der Piste insgesamt stark gestiegen ist. 

Vier Verhaltensregeln von "Respektiere deine Grenzen - Schneesport mit Rücksicht"

1. Wildruhezonen und Wildschutzgebiete beachten:
Sie bieten Wildtieren Rückzugsräumen.

2. Im Wald auf Wegen und bezeichneten Routen bleiben:
So können sich Wildtiere an den Menschen gewöhnen.

3. Waldränder und schneefreie Flächen meiden:
Sie sind die Lieblingsplätze der Wildtiere.

4. Hunde an der Leine führen, insbesondere im Wald:
Wildtiere flüchten vor frei laufenden Hunden.

Artikelfoto: - Lythy - (CC BY-NC 2.0)

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