Fruchtbarkeitsbehandlung in Europa unterschiedlich

09.10.2017 11:00 | Von: pad

Eine Studie zeigt auf, was für die unterschiedlichen Fruchtbarkeitsbehandlungen in Europa entscheidend ist. Das hat die Universität von Oxford herausgefunden.


Obwohl eines von acht Paaren Probleme mit der Fruchtbarkeit hat und viele assistierte Reproduktionstechnologien (ART) nutzen, um ein Kind zu bekommen, gibt es beim Einsatz in Europa grosse Unterschiede. Entscheidend dafür sind laut einer Studie der University of Oxford die moralische und soziale Akzeptanz der Behandlung.

35 Länder untersucht

Frühere Studien haben sich vor allem auf wirtschaftliche Aspekte wie den Reichtum eines Landes oder die Kosten der Krankenversicherung konzentriert. In der aktuellen Untersuchung wurde erstmals die Bedeutung von ökonomischen, demografischen und normativen kulturellen Faktoren untersucht. Die Forscher verglichen den Einsatz von ART in 35 europäischen Ländern über die Anzahl der ART-Zyklen pro einer Mio. Frauen im gebärfähigen Alter (15 bis 44 Jahre).

Es zeigte sich, dass ökonomische Faktoren und der Reichtum eines Landes zwar wichtig sind, es ist aber nicht nur die Leistbarkeit, die den Einsatz von Fruchtbarkeitsbehandlungen bestimmt. ART wurden häufiger in den Ländern eingesetzt, in denen sie kulturell und moralisch akzeptiert sind. Tschechien liegt bei den reichsten Ländern der Welt zwar an 51. Stelle, mit 10'473 Zyklen pro einer Mio. Frauen im gebärfähigen Alter ist dieser Wert jedoch fast identisch mit jenem des vergleichsweise reicheren Dänemark, das hier an 37. Stelle liegt. Länder mit hohem Einkommen wie Italien (Platz 8) und Grossbritannien (Platz 5) meldeten jedoch nur 5'480 beziehungsweise 4'918 Zyklen.

Religion als Schlüsselfaktor

Die Forscher haben eine Punktekarte für die Verfügbarkeit der Fruchtbarkeitsbehandlungen für jedes Land erstellt. Dabei ergab sich keine direkte Beziehung zwischen der Verfügbarkeit laut Punktekarte und der Zahl der Personen, die die Behandlung nutzten. Grossbritannien und Kasachstan schnitten bei der Verfügbarkeit besser ab, sie verfügen jedoch über vergleichsweise geringe Nutzungszahlen. Diese Kluft zwischen der Verfügbarkeit und dem Einsatz legt nahe, dass andere normative kulturelle Faktoren eine Rolle spielen.

Religion erwies sich als ein Schlüsselfaktor. Es gab eine starke Korrelation zwischen der Grösse der religiösen Gruppen bei Protestanten, Katholiken, Orthodoxen und Muslimen in einem Land und dem ART-Einsatz. Ein grösserer Teil an Protestanten in einem Land erklärte grossteils auch den häufigeren Einsatz von Fruchtbarkeitsbehandlungen. Die Studie machte auch einen Zusammenhang zwischen den kulturellen Einstellungen in Ländern sichtbar, in denen ART als sozial akzeptabel angesehen wird und der Anzahl der Personen, die sie nutzen.

In Skandinavien, wo die Nutzung hoch ist, wird eine Fruchtbarkeitsbehandlung als öffentliches Gut und gerechtfertigt angesehen. Die Regierung hat eine Schlüsselrolle bei der Verfügbarkeit für Singles, Menschen mit geringem Einkommen oder Homosexuelle übernommen. In Ländern wie Italien, wo die katholische Kirche Fruchtbarkeitsbehandlungen offen ablehnt, werden assistierte Reproduktionstechnologien weder breit eingesetzt, noch ist die Verfügbarkeit gut. Die Forschungsergebnisse wurden in "Human Reproduction" veröffentlicht.

Artikelfoto: AnnaBricova (CC0 Creative Commons)

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