Die 100 Top-Teilzeit-Arbeitgeber 2016

08.02.2017 10:50 | Von: TeilzeitKarriere

Beim Blick auf das Ranking der 100 Top-Teilzeit-Arbeitgeber 2016 von Teilzeitkarriere.ch, dem grössten Internetportal für Teilzeitstellen in der Schweiz, fällt eines auf: Die Karten sind neu gemischt. Neben einer starken Gesundheitsbranche drängen vor allem Unternehmen mit veränderten Arbeitszeitmodellen Richtung Spitze der 100 Top-Teilzeit-Arbeitgeber 2016. Förderung von Gender-Diversity und Stellen im 80-100 Prozent Pensum auszuschreiben liegt dabei voll im Trend.


Lidl Schweiz hievt sich an die Spitze. - joho345 (public domain)

Lidl Schweiz, letztjährig das erste Mal überhaupt platziert, stösst mit 1838 ausgeschriebenen Teilzeitstellen an die Spitze vor. Diese wurden über das Jahr 2016 auf Teilzeitkarriere.ch rund 154'400mal aufgerufen. Mit einigem Abstand folgen drei Unternehmen aus der Branche Gesundheit.

(Universitäts Spital Zürich, Privatklinikgruppe Hirslanden, Insel Gruppe AG) Manor (1207), der Letztjahressieger, kann sich nicht mehr an der Spitze behaupten und rutscht auf Rang 5 ab. Hier wurden rund 330 Teilzeitstellen weniger ausgeschrieben als im Vorjahr.

Auch Aldi Suisse (1102) kann die sehr gute Positionierung vom Vorjahr nicht halten und belegt neu Rang 6. Die Stadt Zürich (1094) verbessert sich um 14 Plätze auf Rang 7, gefolgt von Kanton Bern (1084), der 6 Plätze verliert. Die Credit Suisse (1037) verteidigt ihre starke Positionierung und reiht sich auf Platz 9 ein. Die SBB (681) belegt Platz 10.

Förderung von Diversität in Unternehmen

Die Stadt Zürich, dieses Jahr erstmals in den Top 10 der Teilzeit-Arbeitgeber, lancierte als zweite Schweizer Stadt 2009 einen Aktionsplan für die Gleichstellung von Frau und Mann. Aufgrund der positiven Ergebnisse befindet sich der Gleichstellungsplan mittlerweile in seiner zweiten Laufzeit.

Ursula Hess vom Human Ressources Management der Stadt Zürich erklärt, dass "die Verwirklichung von Chancengleichheit für Frauen und Männer im Unternehmen sowie die Förderung flexibler Arbeitszeitmodelle einen zentralen Punkt der Personalpolitik der Stadt Zürich darstellt. Neu zu besetzende Stellen werden explizit für beide Geschlechter und jeweils mit 80-100 Prozent ausgeschrieben. Entsprechend wird bei jeder Ausschreibung geprüft, ob Stellen auch mit Teilzeitgrad ausgeschrieben werden können".

Ziel dieser Massnahmen ist es, vor allem in den Kaderpositionen den Anteil des untervertretenen Geschlechts auf 35 Prozent zu steigern. Meist liegt der Frauenanteil hier zu tief. Die Stadt Zürich beschäftigt über 28'300 Mitarbeiter davon arbeiten rund 59 Prozent in Teilzeitpensen. 44 Prozent der Frauen und 15 Prozent der Männer arbeiten Teilzeit.

Anzahl der Teilzeitstellen steigt

Eine sehr erfreuliche Tendenz zeichnet sich beim Vergleich der Anzahl der ausgeschriebenen Jobs in den Top 10 ab. Ein signifikanter Anstieg der ausgeschriebenen Stellen ist zu erkennen. Waren es im Jahr 2015 noch rund 8'700, sind es im Jahr 2016 bereits rund 12'000 Teilzeitstellen.

Teilzeitkarriere.ch listet täglich 1'500 ausgeschriebene Teilzeitstellen im Internet, Tendenz steigend. Das ist ein deutliches Zeichen und bestätigt einmal mehr, dass in vielen Unternehmungsführungen bereits ein Umdenken erfolgt, sich den Anforderungen des gesellschaftlichen Wertewandels zu stellen. Der Trend geht hin zu flexiblen, individuellen und mobilen Arbeitszeitmodellen.

Auf- und Absteiger

Die Solothurner Spitäler AG ist der Aufsteiger 2016. Mit 108 gewonnenen Plätzen befindet sie sich auf Position 70 im Ranking. Andererseits macht auch die UBS AG einen beachtlichen Sprung. Mit 101 gut gemachten Plätzen rangiert sie neu auf Platz 20.

Ebenfalls ein sehr gutes Ergebnis liefert die Zürich Versicherung Schweiz mit 71 gewonnen Plätzen, sie belegt aktuell Platz 15. Das BIT - Bundesamt für Informatik und Telekommunikation - setzt den Höhenflug vom vergangenen Jahr (Verbesserung +48 Plätze) fort und verbessert sich nochmals um 49 Plätze auf Rang 31.

Als Absteiger 2016 kann die Charles Vögele Mode AG bezeichnet werden, die 51 Plätze verliert und nun auf Platz 89 liegt. Die anhaltenden Verlustgeschäfte des Unternehmens und die daraus resultierenden Filialschliessungen sind sicherlich ein Grund dafür. Mit der schwierigen Marktsituation im Detailhandel hat auch die Warenhauskette Globus AG zu kämpfen. Sie verliert 32 Plätze und liegt im aktuellen Ranking auf Platz 60.

Branchen unter der Lupe

Detailhandel, öffentliche Verwaltung und Gesundheit sind die am stärksten vertreten Branchen im Ranking der 100 Top-Teilzeit-Arbeitgeber 2016. Dies ist im Vergleich zum Vorjahr ein identisches Ergebnis. Ein Trend zeichnet sich in der Dienstleistungsbranche ab. Hier scheint das Interesse an Teilzeitstellen grösser zu werden, jedenfalls sind im Jahr 2016 deutlich mehr Unternehmen im Top 100 Teilzeit-Arbeitgeber Ranking vertreten als noch im Vorjahr.

Neu wurde das diesjährige Ranking in 3 Branchen kategorisiert und ein separates Top 20 Branchen-Ranking erstellt. Die Branche Gesundheit ist die am stärksten vertretene Branche im Ranking von Teilzeikarriere.ch. Das Universitätsspital Zürich und die Privatklinikgruppe Hirslanden teilen sich im brancheninternen Ranking Platz 1. Knapp dahinter rangiert die Insel Gruppe AG. Luzerner Kantonsspital und der Spitex Verband des Kanton Bern folgen.

In der Branchen Dienstleistungen/öffentliche Einrichtungen hat die Stadt Zürich die Nase vorn. Kanton Bern und Credit Suisse AG folgen auf den Plätzen 2 und 3. Die SBB, der Kanton Zürich und die Zürich Versicherung Schweiz belegen Platz 4 bis 6. Im Bereich Detailhandel führt Lidl Schweiz, gefolgt von Manor und Aldi Suisse das Ranking an. Aldi Suisse wurde in diesem Jahr vom Konkurrenten Lidl überholt. Migros, das grösste Detailhandelsunternehmen in der Schweiz, belegt Platz 4 im brancheninternen Ranking der Teilzeitarbeitgeber und überholt erstmals Konkurrent Coop (Platz 5).

Ein modernes Arbeitsumfeld schaffen

Beim Bundesamt für Informatik und Telekommunikation - das BIT verbesserte sich auch dieses Jahr wieder um rund 50 Plätze - werden zeitgemässe Anstellungsbedingungen für die Positionierung auf dem Arbeitsmarkt zunehmend wichtiger. Flexible Arbeitszeitmodelle, welche den verschiedenen Lebensphasen der Mitarbeitenden Rechnung tragen, sind dabei ein wichtiger Stützpfeiler der Personalstrategie.

"Wir unterstützen Anliegen unserer Mitarbeiter bezüglich Teilzeitarbeit wo immer es betrieblich möglich ist, auch bei den Führungskräften", teilt das Unternehmen mit. "Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder die berufliche Weiterbildung werden in Zukunft immer wichtiger. Dies ist ein guter Ansatz um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken".

Der Anteil an Teilzeitbeschäftigten im BIT liegt bei 18 Prozent, davon arbeiten 39 Prozent der Frauen und 13 Prozent der Männer Teilzeit.

"Flexibles Arbeiten steigert die Zufriedenheit"

Die Zürich Versicherung Schweiz geht bei der Veränderung von Arbeitszeitmodellen mit guten Beispiel voran. Im Rahmen der Kampagne "Flexwork" wird intern auf die Möglichkeiten des flexiblen Arbeitens aufmerksam gemacht. "Wir bieten unseren Mitarbeitern flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Job Sharing oder Teilzeitarbeit an, da wir davon überzeugt sind, dass die Zufriedenheit der Mitarbeiter dadurch erhöht wird."

Laut Zürich Schweiz werden seit August 2015 alle Vollzeitstellen mit einem Pensum zwischen 80-100 Prozent ausgeschrieben, so dass mittlerweile deutlich mehr Mitarbeitende direkt in Teilzeit eingestellt werden können. Bei der Rekrutierung führt dies zu einer zusätzlichen Reichweite, da 37 Prozent aller Arbeitnehmer in der Schweiz gerne Teilzeit arbeiten möchten. "Potentiellen Kandidaten reagieren sehr positiv auf das ausgeschriebene flexible Pensum". Zürich Schweiz beschäftigt rund 5'100 Mitarbeiter, 22 Prozent davon in Teilzeitpensen.

Interne Wirkung wichtig

Andy Keel, Gründer von Teilzeitkarriere.ch und TEILZEITMANN stellt fest, dass erste grosse Unternehmen (u.a. Post, Swisscom, UBS, SBB) Stellen systematisch mit einem 80-100 Prozent Pensum oder im Job Sharing ausschreiben. "Neben der verbesserten Reichweite bei der Stellenrekrutierung", betont Andy Keel, "ist die interne Wirkung noch viel wichtiger. So erfolgt eine Umkehrung der "Beweislast" bei Linienmanagern. Neu muss eine Führungskraft argumentieren, warum es eine 100%-Stelle sein muss."

Dies führt zu einem Kulturwandel. Zum einen ebnet es den Weg für einen grösseren Frauenanteil in höheren, qualifizierten Teilzeitpensen. Es führt zu mehr Teilzeitmännern und mehr Mitarbeiter in Altersteilzeitpensen. Zum anderen steigt die Attraktivität für die Generation Y und Z im Arbeitsmarkt.

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