Der "Beobachter Prix Courage" geht an Adrian Roggensinger

(Bildquelle: infoticker)

Der "Beobachter Prix Courage" geht an Adrian Roggensinger Mit dem "Prix Courage Next Generation" werden Arina Binz und Fitore Kastrati geehrt.Der 22-jährige Postangestellte Adrian Roggensinger aus Murg/SG wird mit dem "Beobachter Prix Courage" 2014 ausgezeichnet. Er...

Der "Beobachter Prix Courage" geht an Adrian Roggensinger Mit dem "Prix Courage Next Generation" werden Arina Binz und Fitore Kastrati geehrt.

Der 22-jährige Postangestellte Adrian Roggensinger aus Murg/SG wird mit dem "Beobachter Prix Courage" 2014 ausgezeichnet. Er rettete – unmittelbar bevor der Zug heranbrauste - eine gestürzte, 81-jährige Frau von den Bahngleisen. Der dieses Jahr erstmals vergebene "Prix Courage Next Generation" geht an die beiden 16- jährigen Schülerinnen Arina Binz und Fitore Kastrati aus Hombrechtikon/ZH. Sie haben schnell und richtig reagiert, als eine Mitschülerin Suizidgedanken äusserte und ihr damit das Leben gerettet.

Die Gewinner des mit 15'000 Franken dotierten 16. "Beobachter Prix Courage" und des erstmals verliehenen, mit 3'000 Franken dotierten Jugendpreises "Prix Courage Next Generation" stehen fest. Die Jury unter dem Vorsitz von Ständerätin Pascale Bruderer zeichnet Adrian Roggensinger mit dem "Beobachter Prix Courage" aus.

Die Heldentat

Eigentlich wollte Lisbeth Weber nur schnell den Bahnübergang in Freienbach überqueren. Doch plötzlich verfing sich ihr Rollator in den Schienen. Die 81-Jährige stürzte und lag auf dem Bauch. Benommen vom Aufschlag merkte sie nicht einmal mehr, dass sich die Bahnschranken schlossen und ein Zug herannahte. Genau in diesem Augenblick fuhr der junge Postangestellte in seinem Lieferwagen zum Bahnübergang. Er sah die Frau und reagierte blitzschnell. Um sie sanft hochzuheben, reichte die Zeit nicht mehr. Der Postangestellte musste Weber mit einem kräftigen Ruck von den Gleisen ziehen. Die Rettung gelang in allerletzter Sekunde.

Kaum waren beide in Sicherheit, rauschte der Zug vorbei. Bis auf eine Ellbogenprellung blieb die Rentnerin unverletzt. "Ich bin überglücklich, dass der junge Mann mir zur Hilfe geeilt ist. Ohne ihn wäre ich nicht mehr da", sagte Weber bei einem späteren Treffen mit ihrem Retter. Doch Roggensinger sieht sich nicht als Held: "Es ist klar, dass ich ihr helfen musste. In diesem Moment habe ich nicht lange nachgedacht, sondern instinktiv gehandelt. Ich würde es wieder so machen."

Der Preis wurde den Gewinnern am Freitagabend in festlichem Rahmen überreicht. Beobachter-Chefredaktor Andres Büchi würdigte in seiner Laudatio den Preisträger: "Zivilcourage zeigt sich in Haltung, Integrität und in der Entschlossenheit, in der entscheidenden Situation das Richtige zu tun. Das Gute dabei ist: Zivilcourage erkennen wir sofort, wo sie uns begegnet. Der Wert dieser Tugend ist unbestritten. Sie ist in unserer DNA angelegt als eine Art innere Stimme. Wie mutig wir sind, dieser Stimme zu folgen, zeigt sich, wenns drauf ankommt."

"Adrian Roggensinger ist ein Mann, der nie davon träumte, ein Held zu werden, aber im entscheidenden Moment das tat, was einen Helden ausmacht. Denn Helden werden nicht geboren. Sie erwachsen aus Situationen. In einer Welt, die zunehmend zersplittert in Eigeninteressen, bewies Adrian Roggensinger, dass es Hoffnung gibt, weil es Menschen gibt, die Zivilcourage zeigen. Menschen, die dem inneren Kompass folgen für eine bessere Welt. Menschen, die den Unterschied ausmachen. Adrian Roggensinger hat die Welt mit seinem Einsatz ein kleines bisschen besser gemacht."

Arina Binz und Fitore Kastrati gewinnen den "Prix Courage Next Generation"

Gemeinsam haben Fitore Kastrati und Arina Binz als Peacemakerinnen an einer Hombrechtiker Schule nicht nur Streithähne getrennt, sondern sich auch eingeschaltet, als eine Schülerin in der 1. Sekundarklasse gemobbt wurde, traurig und einsam wurde und letztlich Selbstmordgedanken äusserte. Die beiden 16-jährigen Mädchen kontaktierten die Präventionsstelle der Schule, die umgehend reagierte. Die beiden Mädchen wurden gecoacht, und sie kümmerten sich sofort um die Erstklässlerin.

"Wir haben uns mit ihr getroffen und ihr versichert, dass sie uns vertrauen kann", sagt Fitore. "Und wir haben sie auch immer wieder kontaktiert, wenn wir eine Weile nichts von ihr hörten", ergänzt Arina. Zum Glück geht es der jüngeren Schulkollegin inzwischen besser. Arina und Fitore haben eine wichtige Lektion fürs Leben gelernt: "Wir wissen, wie wichtig es ist, andern zu helfen, denen es gerade nicht so gut geht."

Für ihr beherztes Eintreten wurden Arina Binz und Fitore Kastrati von der Jury mit dem Jugendpreis "Prix Courage Next Generation" in der Höhe von 3'000 Franken ausgezeichnet.

"Ein offenes Ohr zur richtigen Zeit"

Dazu Jury-Präsidentin Pascale Bruderer: "Ein offenes Ohr zur richtigen Zeit, eine ausgestreckte, unterstützende Hand im entscheidenden Moment - das kann alles verändern, zum Guten, sagte ein Jurymitglied und berührte mit diesen Worten auch uns mitten im Herz. Und uns wurde klar: Ja, auch das ist Mut. Der Mut, für einen Mitmenschen einzustehen. Der Mut, hinzuhören und zuzuhören. Ein stiller Mut, der uns enormen Eindruck Medienmitteilung Zürich - 7. November 2014 Ein Unternehmen von macht. Auch und gerade in Zeiten, in denen sich Jugendliche regelmässig mit dem Vorwurf konfrontiert sehen, oberflächlich, gleichgültig und ich-bezogen zu sein. Die Jury beeindruckte dabei die Abgeklärtheit, mit der die beiden jungen Frauen unterscheiden konnten zwischen den eigenen Möglichkeiten einerseits und den eigenen Grenzen andererseits. Ihnen war klar, dass sie einen Experten informieren und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen mussten, was sie auch von Beginn weg taten. Gleichzeitig stahlen sie sich selber aber nicht aus der Verantwortung, sie fanden einen Draht zum verzweifelten Mädchen, unterstützten sie auf einfühlsame Weise und leisteten so einen persönlichen Beitrag daran, dass sich ihr Zustand wieder besserte und nachhaltig stabilisieren konnte."

"Wir zeichnen heute Zivilcourage aus, die im entscheidenden Moment den Unterschied machen kann. Den Unterschied zwischen Trost und Ausweglosigkeit, zwischen Zuversicht und Hoffnungslosigkeit, zwischen Leben und Tod. Dieser Mut, seine Verbindlichkeit, Ruhe und Wärme hat uns berührt. Wir freuen uns, wenn er andere Jugendliche zu ebensolchem Einstehen für Klassenkameraden, Freundinnen, Mitmenschen animiert."