Bei COPD-Patienten mit Erkältungen gezielt Kortison einsetzen

05.02.2018 12:34 | Von: bag

Mit COPD ist nicht zu spassen. Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung ist weltweit die vierthäufigste Todesursache. Forschende des Universitätsspitals Basel haben untersucht, wie COPD-Patientinnen und -Patienten mit einer Erkältung am besten behandelt werden sollten. Die klinische Studie kommt zum Schluss, dass mit einer gezielten Erhöhung der Kortison-Dosis bei Beginn der Erkältungssymptome viele Spitalaufenthalte vermieden werden können. Die Ergebnisse der Studie wurden im "American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine" publiziert.


Raucherlunge oder Raucherhusten sind umgangssprachliche Bezeichnungen für die unheilbare Atemwegserkrankung COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease). COPD ist nach Herzinfarkt, Schlaganfall und Lungenentzündung die vierthäufigste Todesursache weltweit. Es ist davon auszugehen, dass sich die Krankheit in den kommenden Jahren weiter verbreiten und die Mortalität weiter zunehmen wird.

Wie viele COPD-Patientinnen und -Patienten im Winter erfahren, ist eine Infektion der Atemwege - insbesondere eine Erkältung - häufig für eine akute Verschlechterung der Atemnot, für vermehrten Husten und Auswurf verantwortlich. So kann eine Erkältung in vielen Fällen einen Spitalaufenthalt zur Folge haben. Entsprechend führen Verschlechterungen der COPD bei den Betroffenen zu einer Einschränkung der Lebensqualität und zu hohen Gesundheitskosten.

Kortison hilft

Forschenden des Universitätsspitals Basel (USB) ist es nun gelungen, diesen Verschlechterungen entgegenzuwirken. In einer klinischen Studie konnten sie zeigen, dass bei Erkältungen eine gezielte, kurzzeitige Erhöhung der Kortison-Dosis viele Spitalaufenthalte verhindern kann.

In der vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierten Studie waren 450 COPD-Patientinnen und -Patienten eingeschlossen. Sie wurden mit Bronchien erweiternden Medikamenten und inhaliertem Kortison behandelt. Allerdings wurde eine niedrigere Dosis Kortison als üblich gewählt. Trat eine Erkältung auf, wurde die Dosis Kortison für zehn Tage erhöht oder ein Scheinmedikament gegeben.

Weniger Medikamente, mehr Lebensqualität

Das Basler Forschungsteam hat festgestellt, dass Patientinnen und Patienten, die während der Erkältung zusätzliches Kortison inhalierten und Bronchien erweiternde Medikamente einnahmen, drei Mal weniger ins Spital mussten, als jene, die ein Placebo erhielten. Dies betraf insbesondere Personen mit schwerer COPD. Ausserdem konnte bei den Behandlungen die Menge an Antibiotika und Kortisontabletten deutlich reduziert werden.

Studienleiterin Prof. Daiana Stolz, Leitende Ärztin Pneumologie am USB, sagt: "Die Resultate sind sehr wichtig. Wir mussten für die Behandlung von Erkältungen weniger Medikamente geben und konnten mit gezielter, kurzzeitiger Erhöhung der Kortison-Dosis die Lebensqualität und die Prognose der COPD-Patientinnen und -Patienten verbessern. Dieses Vorgehen ist effektiv, günstig und kann in jeder Hausarztpraxis angewendet werden." Prof. Stolz geht davon aus, dass die Resultate der Studie einen Einfluss auf die internationalen Guidelines der COPD-Behandlung haben werden.

Die Ergebnisse der multizentrischen Studie sind kürzlich online im "American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine" publiziert worden. Das US-amerikanische Fachmagazin gilt als die weltweit bedeutendste wissenschaftliche Zeitschrift für den Themenbereich Lunge. Link zur Studie: https://www.atsjournals.org/doi/pdf/10.1164/rccm.201709-1807OC 

Artikelfoto: Dennis Skley (CC BY-ND 2.0) - (Symbolbild)

Schweiz, Produkterückruf, Gesundheit Front Top, Gesundheit News, Wissenschaft, Studien